23 October 2014

Ohne Fernsehen bin ich viel glücklicher. [Ein Selbstversuch]


Heute möchte ich euch über einen kleinen Selbstversuch erzählen, den ich vor 2 Monaten angefangen habe: Ich wollte ausprobieren, wie es sich ohne Fernsehen, Nachrichten und tägliche Werbung so lebt.

Ich selbst bin ein sehr neugieriger Mensch, der früher mehrmals täglich Nachrichten geschaut hat. Schließlich sollte jeder darüber informiert sein was sich in der Welt momentan abspielt (so dachte ich zumindest und denke auch zum Teil immer noch so). Abends habe ich dann gern durch die Programme gezappt, Sendungen wie "Wer wird Millionär" oder Krimis geschaut. Das war für mich immer der perfekte Abend nach einem anstrengenden Tag.

Als ich mit meinen Freund zusammenkam, staunte ich nicht schlecht - er hatte nämlich keinen Fernseher. Ich konnte mir ehrlich gesagt gar nicht vorstellen wie er ohne einen auskam. Er sagte zu mir nur schulterzuckend: "Da läuft doch eh nur Müll. Wenn mich ein Film oder eine Dokumentation interessiert, schaue ich sie online."

Zugegeben: Zum Teil hatte er Recht. Er war kein Fan von sich-auf-dem-Sofa-platzieren und durch-die-Kanäle-zappen. Was für mich der perfekte Tagesabschluss war, war für ihn unvorstellbar. Also habe ich angefangen mich zu fragen, wie es wohl wäre, den Fernseher einfach ausgeschaltet zu lassen und mich stattdessen mit mir selbst zu beschäftigen.

Natürlich habe ich nicht jeden Abend bis zum Umfallen Fernsehen geschaut; ich bin mit Freunden ausgegangen, war mit der Familie essen und vieles mehr. Aber am Ende schaltet man den Fernseher doch irgendwann ein und lässt sich berieseln - sei es morgens während dem Frühstück, vielleicht mittags, wenn man nach der Uni nach hause kommt oder abends nach der Arbeit. Als ich mich dazu entschlossen habe aufs Fernsehen zu verzichten, habe ich trotzdem wochenlang nach dem Nachhausekommen wie automatisch zur Fernbedienung gegriffen - zu sehr hat sich dieses Ritual in meine Routine eingeschlichen.

Während meiner Abstinenz habe ich viele merkwürdige Sachen bemerkt:
  • die Stille. Wenn man spätabends keine Hintergrundgeräusche des Fernsehers wahrnimmt und man auch noch alleine ist, ist diese Stille ziemlich verstörend. Ich habe stattdessen angefangen, Hörbücher der Drei ??? hören, wenn ich z.B. gekocht oder gebadet habe. Manchmal habe ich auch Musik angemacht. Mit dieser plötzlichen Stille klarzukommen war wirklich seltsam, weil ich an sie nicht mehr gewöhnt war... Ich habe dann versucht, mich davon abzulenken.
  • ich hatte plötzlich viel mehr Zeit. Ich habe mich nicht hetzen müssen, das Essen pünktlich bis zum Tatort fertig zu bekommen, sondern hatte alle Zeit der Welt. Ich habe längere Bäder genommen und hatte zum Teil ein kleines Problem die Zeit bis zum Schlafengehen totzuschlagen.
  • ich habe wieder angefangen zu lesen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag hatte ich früher keine Lust dazu, weil ich einfach abschalten und mich berieseln lassen wollte. Aber in einer ruhigen Umgebung kann man es sich gemütlich machen und lesen - es ist sogar richtig entspannend.
  • ich hatte nicht das Gefühl etwas zu verpassen. Nachrichten konnte ich in aller Kürze online nachlesen, bei Belieben auch dazugehöriges Videomaterial ansehen. Ich hatte mich genauso gut informiert gefühlt wie früher. 
  • ich habe einige Serien aufgegeben, die ich früher regelmäßig angeschaut habe. Anfangs war es eine Qual nicht zu wissen wie es weitergeht - aber nach einiger Zeit stellte sich eine Art Desinteresse ein.
Nach dem Selbstversuch habe ich wieder den Fernseher eingeschaltet und Folgendes bemerkt:
  • die Werbung nervt mich jetzt noch mehr als früher, vermutlich weil ich nicht mehr daran gewohnt bin. Die Zeit, die die Werbung mittlerweile einnimmt, ist für mich einfach nur ermüdend. Ich empfinde jede einzelne Sekunde davon als Zeitverschwendung und habe sogar mal entnervt den Fernseher ausgeschaltet, weil ich mir gedacht habe, dass ich stattdessen was Sinnvolles machen könnte.
  • ich bin es nicht mehr gewohnt so lange auf einen Bildschirm ohne Interaktion zu starren. Hört sich seltsam an, aber ich hätte nicht gedacht, dass man sich so etwas entwöhnen könnte...
  • das Programm von RTL kommt mir noch schlimmer vor als früher.
  • Fernsehen ist für mich auf einmal nicht mehr so entspannend wie früher. Früher habe ich alle Sendungen + die Werbung einfach so hingenommen, mittlerweile aber habe ich die ganze Zeit den Gedanken, dass ich meine Zeit mit etwas anderem verbringen könnte. Nichts fesselt mich mehr so richtig und ehrlich gesagt entspannt es mich mittlerweile mehr, den Fernseher auszulassen.
  • die Stille fehlt mir. 
Ich musste mich anfangs zwingen das Ganze auch wirklich durchzuziehen, weil mir das Fernsehen doch sehr gefehlt hat... Es mag lächerlich klingen, aber es war ein fester Teil meines Tages irgendwann fernzusehen; als ich das nicht mehr konnte, musste ich mir überlegen was ich stattdessen sonst tun könnte... Was definitiv nicht so einfach war, als sich mit der Fernbedienung auf die Couch zu legen.
Mittlerweile fühle ich mich viel wohler, wenn die Kiste ausbleibt. Es war ein starkes Umgewöhnen, aber jetzt will ich gar nicht mehr zurück. Fernsehen hat viel meiner wertvollen Zeit beansprucht - und ich habe gelernt, diese Zeit viel besser nutzen zu können.

Wie steht ihr zum Thema Fernsehen?



3 comments:

  1. Ich schaue schon seit Jahren kein Fernsehen mehr.
    Ich besitze in meiner Wohnung auch keinen, wie dein freund es sagt sag ich auch "wenn ich was sehen will und es mich interessiert schau ich es online" da kann ich auch jederzeit pause drücken und es gibt keine nervige werbung.

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  2. Mir geht's ähnlich wie dir. Ich schaue nun seit Jahren kein Fernsehen mehr und bin froh über die Stille und Ruhe, in welcher ich mich mit Lesen oder Schreiben beschäftigen kann. Selbst Gespräche erreichen eine größere Tiefe, wenn die Flimmerkiste im Hintergrund nicht stört.

    Ich war letzte Woche bei meinen Eltern zu Besuch, die die Glotze wirklich den ganzen Tag laufen lassen. Da habe ich richtig bemerkt, wie unruhig und unwohl ich mich im Wohnzimmer fühlte. Ich kam niemals zur Ruhe und niemals zu mir selbst, sondern wurde ständig von mir selbst abgelenkt und "auf Trap" gehalten.

    Deshalb bin ich extrem froh, meinen Videokonsum nur bewusst übers Internet auswählen zu können. :)

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  3. Das ist ja interessant :D
    Ich hab eine Zeit lang auch nicht TV geschaut, keine Zeit oder es lief nichts was mir gefiel, aber wenn man von einem langen Tag Heim kommt, dann finde ich es auch irgendwie entspannend einfach durch die Kanäle zu zappen xD Die Stille wäre bestimmt auch das erste was mir aufgefallen wäre. Ich hab die Glotze manchmal einfach so an, weil ich es nicht mag, wenn es absolut still ist im Haus >///< Ok, ob das nun gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Aber Hörbücher sind wirklich eine tolle Alternative, ich hab die letztens auch für mich entdeckt ^^
    Vielleicht sollte ich mal eine Internet Abstinenz versuchen haha xD

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