05 March 2015

Das deutsche Fernsehen sinkt immer tiefer.

Vor einiger Zeit habe ich über meinen Selbstversuch, eine Zeit lang ohne Fernsehen auszukommen, berichtet. *Hier* könnt ihr darüber lesen. Obwohl mir der Anfang sehr schwer fiel, gewöhnte ich mich langsam an einen Tagesablauf ohne Nachrichtensendungen oder TV-Shows. Irgendwann war ich sogar an einem Punkt angekommen, dass der Fernseher die ganze Zeit ausgeschaltet blieb; ich vertrieb mir die Stille mit Hörbüchern oder Dokumentationen auf Youtube.

Und das war schön so, das Fernsehen hat mir nach einer Weile gar nicht mehr gefehlt. Ich konnte mich über die aktuelle Weltpolitik auch online informieren, Serien schaue ich nur noch gezielt über Netflix. Wenn ich mir die Zeit vertreiben will, ist Youtube meine erste Anlaufstelle: Ich höre dort Musik, die ich meistens im Hintergrund laufen lasse, oder schaue mir Interviews und Interessantes aus aller Welt an. 

Letztens hatte mich jedoch eine Freundin gefragt, wie ich denn die aktuelle Bachelor-Staffel finde - und tja, da musste ich natürlich sagen, dass ich die Sendung nicht gucke, weil ich generell kein Fernsehen schaue. So ist das auch seitdem: Immer öfter kann ich bei gewissen Gesprächsthemen einfach nicht mitreden, sei es der Bachelor, das Dschungelcamp oder Germany's Next Topmodel. Die Menschen um mich herum diskutieren Kandidaten und Ereignisse, von denen ich keine Ahnung habe. Natürlich ist es ein bisschen doof, so außen vor zu sein - daher dachte ich mir, dass ich die Sendungen mal einschalte, um wenigstens ein wenig "up to date" zu sein.

Hätt ich's doch nur gelassen.

Ich weiß nicht, ob das Problem bei mir liegt - aber meiner Meinung nach sinkt das deutsche Fernsehen immer tiefer. Nach einer ungefähr 1jährigen Fernsehabstinenz kommt mir das absolute Grauen, wenn ich diese Sendungen anschaue. Zum Einen frage ich mich, wie es die Kandidaten selbst "gut" finden oder zumindest damit einverstanden sein können, so vorgeführt, ausgelacht und teilweise erniedrigt zu werden. Zum Anderen frage ich mich, wie man diese Sendungen überhaupt anschauen kann, ohne sich zum Teil in Grund und Boden zu schämen und das Gefühl zu bekommen, dass der eigene IQ bedrohlich sinkt. Natürlich dient das Ganze der Unterhaltung - aber seit wann ist die Unterhaltung darauf ausgelegt, in Richtung "menschenverachtend" abzudriften? Seit wann fühlen sich die Menschen "unterhalten", wenn sie anderen beim Erniedrigen oder Sich-Lächerlich-Machen zusehen können? Natürlich sind nicht alle Sendungen dermaßen extrem - aber eine gewisse Tendenz kann ich bei allen beobachten.

Eine andere Freundin, die - wie ich - dem Fernsehen abgeschworen hat, schickte mir eines Tages den Link zu folgendem, zugegebenermaßen überspitzten, Kommentar übers Fernsehen (sehr interessant anzuhören):



Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass ich lieber ein Außenseiter in Sachen Bachelor und Dschungelcamp bleibe. Das Format interessiert und unterhält mich einfach nicht. Ich möchte mich nicht zum Moralapostel erheben und Menschen kritisieren, die sich das gerne anschauen - ich kann nur sagen, dass ich es nicht verstehe, warum sie es tun.

2 comments:

  1. Das kann ich genauso unterschreiben, auch wenn ich manche Sachen doch gerne im TV ansehe. Im Vergleich zu früher ist das Niveau aber schon mehr als im Keller.

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  2. Oh wee, solche Sendungen, da schäm ich mich auch extrem fremd und ich kann es, wie du, auch in keinster Weise nachvollziehen wie man sich Bachlor oder Dschungelcamp reinziehen kann -.-" GNTM ist dieses Jahr auch nochmal um einiges gesunken, kaum zu glauben. Im TV schau ich meistens Serien oder Filme zur Prime Time, doch bei den Shows stimm ich dir vollkommen zu

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